JAAPS

Auf der dunklen Seite der Macht

In Arbeitswelt on 9. August 2009 at 16:47

Ich schätze in einem der größten deutschen Pharmaunternehmen zu arbeiten, wird mir in etwa so viele Sympathiepunkte einbringen wie die Antwort „Ja“ auf die Frage „Du machst also Tierversuche?“. Mit der Krankheit anderer Geld zu verdienen, wirkt eben nie positiv, egal wie gut die Absichten oder die menschelnden Werbekampagnen sein mögen.

Das Ziel pharmazeutischer Forschung ist nicht das Heilen von Krankheiten allein, sondern zudem auch das Einfahren möglichst großer Gewinne. Diese Tatsache lässt sich nicht beschönigen. Doch sieht es da in der Wissenschaft so viel anders aus? Wird in der „unabhängigen“ Wissenschaft tatsächlich nur um des Forschens willen geforscht? Steht hier der Wissenszuwachs tatsächlich im Vordergrund zum Kapitalzuwachs?

Nach meiner Zeit als Doktorandin, kenne ich die Antwort auf die Frage. Ich habe gesehen, wie erfolgversprechende Projekte gekippt wurden, weil sie nicht gut publizierbar oder lukrativ genug erschienen. Ich habe gesehen, wie Forschungsergebnisse uminterpretiert wurden, um dem sponsernden Pharmaunternehmen das gewünschte Bild zu liefern. Denn wissenschaftliche Forschung kostet Nerven, Geduld und Zeit, aber sie kostet vorallem in erster Linie auch Geld – und zwar eine Menge.

Da die staatlichen Mittel nicht reichen und auch nicht immer bewilligt werden, ist es in der medizinischen Forschung inzwischen mehr als üblich, sich von Pharmaunternehmen „unterstützen“ zu lassen. Seit bei Publikationen angegeben werden muss, inwiefern beteiligte Autoren von der Pharmaindustrie Gehalt bezogen haben, erscheinen viele Veröffentlichungen einem nur noch als reine Farce.

Ich will diese bedenkliche Situation sicher nicht gut heißen, aber so lange es nun einmal so ist, dass die deutsche Forschung nur noch als Handlanger der Pharmaindustrie fungiert, denke ich, ist es nur konsequent lieber gleich für den Teufel zu arbeiten.

von Johanna

  1. Im Grunde kann ich sogar nachvollziehen, was die Pharmaindustrie so treibt. Schließlich ist die Forschung viel zu teuer und riskant als dass sie ernsthaft Ergebnisoffen sein könnte.

    Das eigentliche Problem ist die Struktur der Pharma-Pipeline. Eigentlich müssten zumindest die beiden letzten Phasen (die klinischen Tests) öffentlich finanziert und kontrolliert werden. Dann wäre ein beträchtlicher Teil des finanziellen Druckes raus und vor allem auch der Interessenkonflikt.

    So lange Erfolg oder Misserfolg einzelner Präparate über die Existenz ganzer Unternehmen entscheiden können, wird es keine “saubere” Pharmaforschung geben. Das halte ich für illusorisch.

    • Da kann ich Dir nur völlig zustimmen. Wenn man mal überlegt wieviel Geld bis zur Entwicklung des einsatzfähigen Arzneimittels den Bach runter gegangen ist, ist auch eindeutig klar, warum ein solches Medikament dann komme was wolle zum Erfolg gepusht wird.

      Allerdings sehe ich es nicht wirklich kommen, dass sich an dieser Struktur irgendetwas ändert. Öffentliche Finanzierung – schön wär’s! Aber so lange nicht mal ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden können, um die wissenschaftliche Forschung zu sichern, sehe ich es absolut nicht kommen, dass dies jemals bei der Pharmaindustrie der Fall sein könnte.