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Am anderen Ende

In Zukunftsmusik on 16. Juli 2009 at 14:50

Es ist wirklich interessant in einer Prüfung mal nicht mitzuschreiben, sondern die Schreibenden zu überwachen.

Wenn man sich dazu entschließt an einer Hochschule zu arbeiten, kommt es früher oder später immer mal vor, dass man eine Vorlesung halten oder Prüfung überwachen muss. Falls man mal Professor ist, gehört das natürlich sogar zu den eigentlichen Aufgaben. Da mein “noch nicht” Chef im Urlaub ist, hat er mich gebeten eine Prüfung für ihn zu übernehmen.

Die ganzen Details die nicht funktionierten, lasse ich einfach mal Weg und fasse nur meine Eindrücke zusammen:

  • Es ist schön sich auf einen Prüfung nicht vorbereiten zu müssen.
  • Es ist angenehm mal nicht im Publikum Platz zu nehmen, sondern vorne zu stehen.
  • Aufregend zu sehen, wie die Studenten verwundert, fragend oder verzweifelt die Prüfungsaufgaben durchlesen.
  • Es ist sehr lustig einige der Antworten zu lesen.
  • Es ist ängstlich darüber nachzudenken, dass es verschiedene Amokläufer in Schulen und Universitäten gab.

Grundsätzlich freue ich mich total drauf ab August mit Studenten arbeiten zu können und auch die ein oder andere Vorlesung zu geben. Ich mag das Unterrichten und anderen Leuten Wissen zu vermitteln. Eigentlich ein Traumjob … mal sehen wie lange.

von Tobias

  1. Ich seh’ schon, Du wirst noch viel Spass haben.

    Es ist eine Menge Arbeit, eine Klausur zu stellen. Die Aufgaben müssen so gestellt sein, daß die Studis sie eindeutig verstehen und eine sinnvolle Antwort geben können. Ich habe noch keine Klausur gesehen, in der es nicht mindestens einen Wackelkandidaten gab. Für jede Aufgabe muß man jetzt schon genau wissen, wie sie korrigiert wird, und wieviele Punkte es für was gibt (sonst artet die Korrektur in Willkür aus).

    Es ist eine Menge Arbeit, eine Klausur zu organisieren. Aufgaben stellen, Punkteverteilung austüfteln, genug (!) Exemplare Ausdrucken (besser ein paar mehr, und zwar pro Saal), Räume reservieren, Teilnehmerlisten basteln, Sitzverteilung planen.

    Es ist eine Menge Arbeit, eine Klausur schreiben zu lassen. Genug Leute zusammentrommeln, Räume beschriften (“die Treppe hoch, dann links”), Toiletten auf Unterschleif kontrollieren, Sitzordnung anschlagen, den nervösen Studis trotzdem nochmal klarmachen, wer wo sitzen soll. Rechtzeitig anfangen, die Einführungsrede (einschließlich böser Drohungen bei Betrugsversuchen) halten, den Startschuß geben. Dann im Saal auf- und abspazieren, häufig genug, um Spickereien zu entdecken, aber ohne die Studis zu nervös zu machen. Einer will mehr Papier, der andere hat eine Frage, bei der man keine richtige Antwort geben kann, weil das unfair wäre. Übrigens, wann genau haben wir angefangen? Hat jemand auf die Uhr geschaut? Ich nicht, ich dachte, Du machst das.

    Es ist eine Menge Arbeit, eine Klausur zu korrigieren. Stapelweise Zettel, verknittert, gefaltet, und mit wilden Zeichen vollgekritzelt. Und dieser Angstschweissgeruch. Dafür soll man Punkte geben? Irgendwie kitzelt man aus den wirren Hyroglyphen den einen oder anderen Wissensbeweis heraus, und tut sein Bestes, damit jeder die Note, die er bekommt, auch verdient hat. Und umgekehrt. Und bloss nicht die Punkte aufsummieren, sonst merkt man, daß einer auf der 4.0-Kippe steht, und fängt an, hochzukorrigieren. Oder runter. Beides nicht gut.

    Und dann kommt die Klausureinsicht. Alle 5er-Kandidaten, und noch ein paar Bestandene. Dazu nur eins: Man sollte gut ausgeschlafen sein.