“Sie sind die Elite”, hatte mein Dekan mir und meinen Komillitonen entgegengeschmettert, damals an einem grauen Frühlingstag im Jahr 2007, an dem wir alle zu approbierten Veterinärmedizinern gemacht wurden. Von unserer glorreichen Zukunft war die Rede gewesen, von schier endlosen Perspektiven.
Einen Doktor solle man machen hatte er gesagt. Doktoren würden später mehr verdienen, hieß es. Und so machte ich brav meinen Doktor, nicht wegen des Geldes, sondern weil ich es wollte. Jetzt oder nie hatte ich mir damals gedacht. Also verbrachte ich die folgenden 1 1/2 Jahre fleissig im Labor. Im Februar diesen Jahres war es dann so weit: Den Titel so gut wie in der Tasche, war ich bereit mich ins Berufsleben zu stürzen. Ein netter Job, endlich Geld verdienen – das war das neue Ziel. Ich hatte studiert, ich hatte promoviert, die Berufswelt würde mir zu Füßen liegen, da war ich mir sicher.
Heute 6 Monate später weiß ich nur eine Sache bestimmt: Sicherheit gibt es für mich nicht. Die Zukunft, die mir versprochen wurde, erscheint ferner denn je. Seit einem halben Jahr suche ich jetzt einen Arbeitsplatz, während ich mich mit jobben über Wasser halte. Die Perspektive? Ich suche noch.
von Johanna
Dieses Blog ist doch ein hervorragendes Bespiel dafür, wie man sich produktiv betätigen kann. Mal ein bisschen mutiger gedacht als nur “sich den Frust von der Seele schreiben” kann man ein Blog doch als ersten Versuch in die Selbständigkeit sehen. Dazu sollten natürlich die eigenen Ambitionen wenigstens entfernt mit “Medien” zu tun haben, aber das Feld ist auch ein dankbarer Schwamm. Da kann ein Teilchenphysiker schnell zum Wissenschaftsjournalist avancieren. Das Mindeste, was man erreicht, ist ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit.
Und mal im Ernst, nur auf Bekanntheit, also Vitamin B, kommt es doch in den meisten Fällen an, wenn Stellen für Akademiker zu besetzen sind. An der Uni genau so wie in der Wirtschaft. Da ist Qualifikation Nebensache, weil die wenigsten Stellen wirklich ausgeschrieben werden – und einige die ausgeschrieben sind, sind es nur pro forma und eigentlich auf genau einen Kandidaten zugeschnitten.
Ich habe unter anderem deswegen gerade mit ein paar Freunden eine Autorenplattform gegründet, um von vornherein eine Alternative zur Praktikumsmühle zu haben. Allerdings sind wir zugegebenermaßen auch im publizistischen Bereich ambitioniert.
Kopf hoch, da geht noch was.